15. Oktober 2014

Wish it was better

Achtung: Dieser Beitrag enthält Spoiler, Zynismus, Arroganz, Ignoranz und Spuren von Nüssen.* Zu Risiken und Nebenwirkungen verbrennen sie [beliebige Glaubensschrift einfügen] und fragen sie ihren Guru oder Demagogen.

„Wish I Was Here“ ist der neue Film von John Dorian aka Zach Braff, der vor zehn Jahren mit „Garden State“ bewies, dass er richtig gutes, genreübergreifendes Kino machen kann, ohne zu sehr in Richtung Kitsch oder seine Serienrolle abzugleiten (das einzige was mich wirklich an „happythankyoumoreplease“ von Josh Radnor gestört hat). Es gab viel Aufsehen um die Finanzierung über Kickstarter, erwartete man doch, dass ein Schauspieler wie Braff das ganze ohne Probleme selbst finanzieren könnte, nichts desto trotz hat der Film innerhalb kurzer Zeit, u.a. dank meiner kleinen Spende, für die ich ein formschönes T-Shirt mit exklusivem Backer-Motiv („Backer, der/die/das“, Neusprech nicht etwa für einen Spezialisten für geröstete Teigwaren, sondern für menschliches Herdenvieh, das bereit ist, sein Geld für Projekte aus zu geben, in der Hoffnung, dass sie tatsächlich realisiert werden, sodass sie ein „Dankeschön“ oder auch „Perk“, wie der findige Internetzbewohner sagt, erhalten und ihr Geld nicht einfach weg ist.) erhalten habe. 

Zurück zu Flachzanges neuem Film:
In „Wish I Was Here“ geht es um den „thirtysomething“ Schauspieler Aidan ohne Arbeit, der an sich selbst und seiner Unfähigkeit, seine Familie, eine Ehefrau gespielt von Kate Hudson, eine Tochter gespielt von Joey King und einem Sohn gespielt von weiß ich nicht mehr, ich werde schließlich auch älter, zu ernähren frustriert. 
Nebenbei erkrankt sein Vater auch noch an Krebs und kann das Schulgeld für die Kinder nicht mehr bezahlen, da er das Geld für eine Behandlung benötigt.
Aidans Geek-Bruder Noah ist in der ganzen Misere auch keine große Hilfe, ihm geht es mehr darum, sein anders sein aus zu leben.
Das ganze drumherum wird unterstützt von Erinnerungs- und Traumsequenzen der Brüder an ihre Kindheit. Soweit der Inhalt, der Trailer spricht denke ich bessere Worte.
Das Setting ist zwar nicht gerade neu, aber durchaus ansprechend durch die grandios griesgrämige Art des Vaters, die er bis zu letzt bei bei behält. Ebenfalls nicht neu, aber trotzdem super war der eingestreute „Scrubs“-Humor, gerade am Anfang, nachdem Aidans Vater ihm seinen Gesundheitszustand und das nicht mehr zahlbare Schulgeld darlegt, „Ohman“ und die Tatsache, dass Aidan sich um den Hund kümmern muss, eröffnet: „Das sind so viele schlechte Neuigkeiten auf einmal.“ Nett sind auch die Gastauftritte von Turk und Sheldor dem Eroberer, auch wenn diese Charaktere durchaus mehr Zeit verdient hätten. Begeistert hat mich die Idee der Traumsequenzen, die waren sehr surreal, sehr gut ausgearbeitet, fantastisch dargestellt und auch viel zu kurz. Stattdessen legt man viel mehr Wert darauf, die Diskussionen des Ehepaars zu zeigen, die jedes mal ähnlich bis gleich sind, mehr so meh.
Desweiteren ist viel zu viel Pathos und Kitsch in dem Film, da könnte man 5 neue „Tomte“-Alben von aufnehmen, lediglich am Ende, kurz bevor der Vater stirbt, wirkt es nicht übertrieben, der im sterben den schönen Dialog führt: „Erinnerst du dich damals in LA, [...], da waren in der Nacht überall Glühwürmchen“ - „Dad, da waren keine Glühwürmchen“ - „In meiner Erinnerung sind dort welche, einfach weil ich es will, dass sie da sind“ (oder so ähnlich). 
Unterstützt wird diese Flut noch vom durchgängig warmen Licht: Ständig denkt man, die Sonne würde aufgehen (außer im Supermarkt, in dem Aidan, ganz der Held, für seine Frau einsteht und aufs Maul bekommt, geniale Szene, von wegen Held sein oder nicht und was es ausmacht). Was lens flares für Jar Jar Abrams sind, das sind 1000-2000 K Lampen für Zach Braff...
So, genug. Mein Fazit fällt recht gemischt aus, der Film hat tolle, durchaus lustige, wie ernsthafte Ansätze, die Probleme der Kinder, die Beziehungen innerhalb der Familie, das amerikanische Bildungs- und Gesundheitssystem etc., krankt aber daran, dass Braff Amerikaner ist und alles zu sehr im Kitsch ausufert und seinen eigenen, neuen Ideen wie den Traumsequenzen oder dem Geek-Bruder, zu wenig Platz gibt, ihre komplette Wirkung und Bedeutung zu entfalten und kommt nicht an „Garden State“ heran, der, obwohl weniger Erwachsen, deutlich weniger kitschig ist und seine Botschaft besser rüber bringt.
Dafür insgesamt 5,5 von 10 Punkten, da es trotz dieser Schwächen durchaus sehenswert ist und eine nette Unterhaltung für einen feel-good-Abend ist.

*Nährwerttabelle:

                     Menge                   Anteil an der 
                   pro Seite:        empfohlenen Tagesdosis:
Spoiler           10g                          8,472%
Zynismus         1t                       10^10% (letal)
Arroganz        42g                         31,42%

Ignoranz      1,23kg                       45,6%

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