21. August 2014

Sag nicht wer du bist. Und nicht, was du eigentlich hier machst, warum du Sachen machst und überhaupt sag am besten gar nichts.

Das fasst so ziemlich den neuen Film von Xavier Dolan zusammen, den aus einem mir unerfindlichen Grund alle Kritiker in den Himmel loben.
Meiner Meinung nach ist es ein langgezogener, lückenhafter Depressionsexzess. 
Was nur zu einem Drittel negativ ist.
Worum es geht: 
Tom, etwa Mitte 20, fährt zur Beerdigung eines Freundes, der aus irgendwelchen Gründen gestorben ist, die wir aber nicht erfahren. Er wohnt bei der Mutter des Verstorbenen und dessen kontrollsüchtigen Macho-Bruder, der Tom nach der Beerdigung nicht gehen lassen will, damit er, augenscheinlich, seine Mutter mit Geschichten aus dem Leben des Toten bei Laune hält, die er sich ausdenken soll.
Mhh. Interessanter Ansatz, die Lösung des Ganzen, dass Tom und die Brüder schwul sind und es nicht zeigen können/wollen ist gut inszeniert. Aber ein paar mehr Informationen wären schon schön gewesen. 
Ja, der Ehering an Toms Finger in Kombination mit den Flashbacks ist schon ein Wink mit dem Scheunentor, aber ansonsten bleibt man eher ratlos zurück, warum sind sie so, haben sie Angst vor Homophobie oder sonst was, das darf man sich alles selbst zusammen basteln.
Ich habe nichts gegen eigenes Denken, um Hintergrund zusammen zu basteln, in Only God Forgives oder The Signal muss man das ja auch, aber die Filme haben die Gradwanderung gemeistert, Sag nicht wer du bist, so gar nicht.
Dann zum zweiten Schnitzer: Die Länge. Unerträglich. Hier ein französisches Lied, da noch ein Popsong, hier ein nicht endendes Schweigen, das macht das ganze enorm zäh, dabei hätte der Film es gar nicht nötig, sich dieser Mittel zu bedienen, denn (Achtung, positives, nicht erschrecken) von der technischen Seite ist der Film einwandfrei: 
Allein durch die Bildkomposition wird die Bedrückung, die Verzweiflung, die Ausweglosigkeit, die Angst, halt der ganze depressive Quatsch einwandfrei vermittelt. In Kombination mit der wirklich guten Schauspielleistung hätte man also die ein oder andere Länge umgehen können und den Film zu dem machen können, was er sein soll, ein Psycho-Thriller und nicht zu dem, was er ist, ein franko-kanadischer-Albtraum, aus dem man am Ende ratlos aufwacht. 

Fazit: Grundidee wirklich gut, technische Ausführung einwandfrei, Drehbuch meh, Spannungsbogen schnarch, gibt 4 von 10.

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