26. August 2014

Fair Youth

Es ist soweit, die britischen Postrocker von Maybeshewill haben ihr neues Album "Fair Youth" veröffentlicht.
Und es ist ein Glanzstück, man merkt, es kommt aus Leicester, die typische Melancholie verpackt in einen kleinen Optimismus mit leidenschaftlichem Handlungsdruck.  Es hat zwar ein paar kleine Makel, aber das ist in Ordnung.
Also, warum:
Nun, mit "I was here for a moment, then I was gone" haben sie es sich selbst schwer gemacht, denn das Album war so nahe an der Perfektion, wie es ein Album nur sein kann, die perfekte Mischung aus ruhigen, aggressiven, getriebenen und getragenen Passagen, harten Riffs, auf-die-Fresse-Drums und sanften Elektro- und Klassikpassagen.
Mit dem neuen Album haben sie etwas ausprobiert und das ist vollkommen in Ordnung, aber ganz heran ragen tut es nicht. Warum? 
Sie haben die Verhältnisse geändert, so sind jetzt eher die Elektrokomponente und der klassische Teil dominant, mit eher hintergründigen Gitarren, die trotzdem gut zum tragen kommen, aber etwas ruhiger geworden sind. Das funktioniert gut, wirkt aber im Vergleich zum Vorgänger an wenigen Stellen kraftlos und zu glatt, während man auf allen vorherigen Alben noch deutliche Ecken und Kanten hatte.
Aber das war es auch schon an negativer Kritik (ja, ich kann auch nett sein, findet euch damit ab)
Was positiv auffällt, die Lieder sind in sich anders strukturiert als zuvor, so enden sie ähnlich oder sogar gleich, wie sie beginnen, während dazwischen unterschiedliche Spannungen und Stimmungen aufgebaut werden.
Das resultiert unter anderem darin, dass man sich (oder zumindest ich) "In Amber" mehrere Stunden in Dauerschleife anhören kann, ohne dass man merkt, dass das Lied ein Ende oder einen Anfang hat, dazu kommt, dass die Komposition sehr kurzweilig ist. 
Beim weiter hören im Album merkt man dann gar nicht, wie die Songs verfliegen, sind die Wechsel doch enorm gut gestaltet, wo ich dann hängen geblieben bin, ist die erste Single, "Fair Youth", auch ein enorm gutes Lied, mit vielen Wechseln, aber auch das kann man sich stundenlang geben, ich weiß nicht, wie sie es machen.
Ansonsten sind als Anspieltipps, neben dem gesamtem Album, "Asiatic", sehr ruhig, aber die Instrumente bekommen alle gleichermaßen einen Rahmen, man denkt erst, es ist sehr eintönig, beim weiteren, genaueren Hinhören merkt man, das immer Kleinigkeiten verändert werden und "Waking Life", sehr getrieben, viel Druck mit passiv aggresiven Gitarren, die sich im Laufe des Liedes immer weiter steigern, um am Ende einfach zu ersterben, würde sagen, der stärkste Einzelsong vom Album, zwar nicht so markant wie "He films the Clouds, Part 2", aber live wird der Song ein muss.

Fazit:
Sehr starkes Album mit kleinen Abstrichen, vergleichbar mit "Sing the word hope in four part hamony", nur dass der Gitarrenschwerpunkt auf das drumherum verlegt wurde, was als gesamtes sehr gut funktioniert, da stört es auch nicht, dass es kein "He films the Clouds, Part 2" oder "Red Paper Lanterns" gibt, die man immer im Ohr hat, dafür ist es die gelungenste Gesamtkomposition als Album.
8 von 10 Punkten.


PS: Vergleichswerte.
Ich würde "IWHFAMTIWG" 9,9 von 10 geben, einfach weil es sowohl als Gesamtes funktioniert, viel viel Abwechslung bietet und die Songs trotzdem alleine für sich immer erkennbar und einzigartig sind.
"Not for want of trying" 9 von 10, weil es zwar die besten Einzellieder hat, aber ein wenig nach Flickwerk klingt, man merkt, die Lieder kommen von einer Band, aber man hört, das ist das erste Album der Band, sie müssen sich noch ein wenig finden und hauen ihr gesamtes Repertoire heraus.
"STWHIFPH" bekäme ebenfalls 8 von 10, es ist genauso wie "Fair Youth" sehr gut, aber es legt ein wenig zu viel Wert auf die Gitarren und hat nicht so eingängige Einzelstücke.

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