8. Januar 2014

Vakuum

So, wie bereits angedroht, Rezensionen folgen. Hier ist Nummer 1.
„Vakuum“, so heißt der Debüt-Comic von Lukas Jüliger und ja, der Titel passt enorm gut. Nicht ein reelles Vakuum ist gemeint, sondern das im Kopf (pow, was ein Satz, gut merken, wird sicher später wichtig, wenn ich die Weltherrschaft hab. Ähm. Ja. Gut...).

Ich als Ingenieur bin faul, darum geb ich den Inhalt jetzt nicht en detail (ha, fremdsprachig kann ich auch noch) wieder, sondern nur so im Allgemeinen:

Schule ist bald vorbei. Nach den Ferien nur noch ein par Prüfungen und dann war‘s das und das Leben beginnt. Theoretisch. Käme in den letzten Schultagen nicht so was blödes wie Emotionen für Menschen dazwischen. Ja, unser Protagonist verliebt sich ein bisschen in ein Mädchen und fängt an, sie kennen zu lernen und so was wie ne Beziehung mit ihr anzufangen, nur stellt sich das als nicht ganz so einfach heraus, weil sie beide nicht das sind, was man als normal bezeichnen würde:
Er hat sein Leben lang nur einen Freund, der sich seit einem gemeinsamen Experiment mit einer selbst groß gezogenen Drogenpflanze immer mehr von der Welt los sagt und zu einer leeren Hülle wird, die nur noch funktioniert, aber ab und zu noch einen Rest Mensch durch blicken lässt.
Sie ist auch nicht einfach, rennt sie doch ständig weg, irgendwo hin wo keiner weiß wohin (toller Satz, man man man, son scheiß, was schreib ich hier eigentlich?), aber immer wieder seine Nähe sucht und ihn schließlich in das Geheimnis einweiht, was einiges verändert.
Nebenbei vergewaltigt noch einer ihrer Mitschüler aus den unteren Klassen seine Nachhilfelehrerin aus der Oberstufe und begeht Selbstmord und alle sind aus dem Häuschen, geschockt, neugierig, der ganze ekelhafte Menschenkrams halt.
Und so lebt es sich halt vor sich hin.
Bis zum Ende.

Die Graphic Novel geht auf jedem Fall durch die Eingeweide. Sind die Zeichnungen in einem ansprechenden, leicht skizzenhaften Stil gehalten, der theoretisch auch fröhlich sein könnte, gehalten, verleiht die Koloration in Naturtönen dem ganzen eine unfassbare Tristesse, die selbst den positiven Momenten eine gewisse Beklemmung verleiht.
Dabei ist die Hälfte der Story ja theoretisch positiv. Aber selbst das wirkt ein wenig verstörend. Positive Emotion scheint am falschen Platz in dieser Welt.
Und dann blickt man die Abgründe der menschlichen Seele und Gedanken und was sie bewirken.
Ein wenig findet man sich schon wieder in der Hauptrolle, hat man sicher in irgendeiner Form ähnliche erlebt und genau das lässt einen mit leiden.
Das Ende ist dann der Paukenschlag, der den Kopf in Resonanz schwingen und nicht mehr wissen lässt, was man davon eigentlich halten soll, bis einem die Tragweite klar wird.

Gänsehaut.
Ganz grandios gemacht

4,75 von 5 Sternen, für 5 müssten noch die offenen Fragen geklärt werden, was zum Beispiel genau mit Sho passiert ist und was zum Teufel das Ding im Wohnwagen sein soll. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. 

(Jaja, der Rest des Blogs nicht so wirklich. Aber psssst, muss ja nicht jeder wissen)



Achtung Spoiler, ein letzter Satz, der einen wichtigen Storyteil vorweg nimmt:
Das Ende könnte auch aus der Feder von George R.R. Martin sein, wenn ihr versteht was ich meine. Hähä.

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