12. Dezember 2013

Der Hobbit - Smaugs Einöde

Ja, es ist wieder so weit, es ist Tolkien/Jackson-Zeit. Der zweite Teil der Hobbit-Trilogie ist angelaufen und ich bin in den Genuss der Vorpremiere gekommen.
Wer keine Spoiler erleben will.... ach, gar nicht möglich, wer hat das Buch denn bitte nicht gelesen? Ts. Ich Trottel. Und dieses Jahr wird es mal richtig ausführlich, also Lesebrille auf, Tee bereit und los:

Also. Der Film beginnt, wo der erste geendet hat: Die Gruppe aus Zwergen, Gandalf und Bilbo ist den Orksen und Wargen vorerst entkommen und müssen sich sputen, weiter zu kommen, um ihren Verfolgern keine Gelegenheit zu geben, ihr Werk zu vollenden.
Dazu gehts es zu Beorn, den Hautwechsler, bzw. in sein Haus.
Und da der erste WTF Moment, riesige Bienen schwirren einem ins Gesicht und Beorn, der seine Meinung kund tut, ein ruhiger, aber tief gehender Moment.
Aber der wahre Wahnsinn beginnt im Düsterwald.
Wildes Dickicht, dunkelste Dunkelheit, Irrungen, Wirrungen, der Verlust des Weges und Bilbos rettende Idee mit einem famosen Blick über die Wipfel des ehemaligen Grünwalds zeigen seine verbliebene Schönheit. Ein epischer Moment, kurz, aber einfach nur atemberaubend.
Doch danach geht es Schlag auf Schlag, die Spinnen haben während Bilbos Kletterpartie die Zwerge eingesponnen und dank des Einen Rings gelingt es ihm, seine Kameraden zu befreien und den Kampf gegen die Spinnen zu beginnen. - Die Spinnen. Alter Vergewaltiger, einfach nur grandios, graziös-elegant und doch ekelig-abscheulich-tödlich. Wer Kankra schon abstoßen fand, der wird hier seinem Albtraum begegnen. Sowas von gut animiert und realistisch dargestellt... - Den überleben sie nur dank der Waldelben des Düsterwalds, wahrlich arroganten Aristokraten, ganz anders als die Elben aus Lothlorien die man in der Herr der Ringe Trilogie kennen gelernt hat. Aber trotzdem abartige Kampfmaschinen, die mit einer unfassbar ruhigen Eleganz die Spinnen zerlegen. Sie zeigen ihre Abneigung gegen die Zwerge ganz deutlich und ohne falsche scheu, aber das beruht auf Gegenseitigkeit. Als Gefangene werden sie in Thranduils Hallen gebracht.

Für die HdR-Filmfans gibt es ein Wiedersehen mit Legolas, sehr nett gemacht, der Elb, der später einen Zwerg als seinen Kampfgefährten sieht und mit ihm nach Valinor segelt, zeigt hier eine der größten Abneigungen gegen die Zwerge.

Thranduils Hallen. WOW. Das was man sieht, macht Lust auf viel mehr. Man vergisst, dass es sich um einen Gebäudekomplex handelt, dadrin fließt ein verdammter Fluß.
Die Hallen sind ganz klar ein weiteres optisches Highlight des Films, auch wenn man sie leider nicht lange und ausführlich betrachten kann.
Aber zurück zur Handlung. Thranduil ist ein verdammtes Arschloch. Aber so richtig. Trotzdem ist er ein starker Charakter. Scheinheilig bietet er den Zwergen Unterstützung an, die abgelehnt wird.
Nur Dank Bilbo und dem Ring können sie ihren Wächtern entkommen. In Fässern. Und hier beginnt einer der besten Teile des Films. Die Flucht.
Parallel wurde die Gemeinschaft von den Orksen aus Moria unter Führung von Azog eingeholt, die Versuchen, die Grenzposten der Elben zu überfallen, jedoch gnadenlos abgemetzelt werden, nachdem den Zwergen die Flucht gelingt, die nebenbei in Fässern steckend Orkse niederringen.
Verfolgt von den Kreaturen des Bösen, die wiederum von den Elben verfolgt werden, geht es auf eine rasante Achterbahnfahrt, in der es von Aktion, Slapstick und Spannung wimmelt.
Der witzigste Moment des ganzen Filmes ist sicherlich hier anzusiedeln: Bombur wird in seinem Fass aus dem Wasser geschleudert, er steckt stehend darin fest, durch die Löcher schiebt er seine Waffen und wie ein Brummkreisel mit Klingen an den Enden rotiert und rollt er durch die feindlichen Reihen und mäht einen Schwarzblüter nach dem andern um. Selten so gelacht.

Blablab, es geht nach Esgaroth. Doch halt, ich vergaß: Gandalf hat sich vor Betreten des Düsterwaldes abgesetzt, um einer dunklen Vorahnung nach zu gehen und begibt sich mit Radagast zu den Gräbern der Ringgeister. Alle von innen Aufgebrochen und leer. Die nächste Station der Istari ist Dol Guldur, Saurons alte Festung im Süden des Düsterwalds. Gandalf wagt sich alleine vor, zeigt seine Badassitude (frei nach Borderlands 2: Mr. Torgues Campaign of Rampage) gegenüber dem Täuschungszauber, den der Nekromant darüber gelegt hat, um den Anschein einer verfallenen Ruine zu wahren, und dessen Orks.
Doch dann wird er mit einer Schattengestalt konfrontiert, die umher wabert und ihn zu attackieren beginnt, dunkle Tentakeln und Fühler brechen Gandalfs Macht und der Nekromant zeigt seine wahre Gestalt: Sauron höchst selbst, Gorthaur, der Schüler Aules, Diener Morgoths.
Was ein Gänsehautmoment, dieser epische Kampf, Schwarz gegen Weiß, Istari gegen korrumpierten Maiar und dann die Enthüllung in flammender Lichtgestalt, die in Zoomception immer wieder in ein flammendes Auge mit Sauron-Pupille präsentiert wird. Dazu diese Gänsehautstimme. Im Original von Benedict Cumberbatch gesprochen muss das noch tiefer gehen. Ich konnte nicht mehr.

Esgaroth. Ja. Ein heruntergekommenes Venedig im englischen Stil, regiert von einem korrupten Bürgermeister, exzellent gespielt von Stephen Fry. Kurze Zwischenstation mit Ork-Battle bei Nacht. Übrigens scheinen die Seestädter alle einen tiefen Schlaf zu haben, niemand bemerkt, wie sich ein paar Zwerge und zwei Elben mit 30 Orks prügeln, die nebenbei auf Wargen eingeritten sind. Dabei wurde doch schon bei Tag alles mit bürokratisch-diktatorischem Eifer überwacht... Aber scheiß drauf, Hobbit ist nur einmal im Jahr.
Auf jeden Fall der atemberaubendste Teil folgte: Der Erebor, der einsame Berg.
Seine Hallen übertreffen selbst die Minen von Moria, so gigantisch und überladen sind sie. Gefüllt mit Tonnen um Tonnen an Gold, dass Smaug vollständig darunter bedeckt ist.
Smaug. Noch mal Cumberbatch. Noch mal pure Epicness. Diese Animation. Ich dachte, dieses Monstrum ist real. Unfassbar. Gigantisch. Utopisch. Wohl eher dystopisch. Beides.
Der Kampf in den steinernen Hallen, unbeschreibar, Feuerstoß um Feuerstoß, Sprung um Sprung, Sprint um Sprint und am Ende diese Idee mit den Schmieden, entfacht durch Smaugs eigenes Feuer, flüssiges Gold in eine 20 Meter hohe Gussform zu füllen und diese aufzubrechen, als Smaug davor hockt. Der kurze Moment, in dem die ausgehärtete Peripherie hält, bis sie vom flüssigen Kern aufgeschmolzen wird und Smaug unter sich begräbt. Nur um ihn später wieder im totalen Ragemode freizugeben, sodass er sich auf den Weg zur Seestadt machen kann.

Ende.

AAAAAARRGGGGHHH! Ich. Brauche. Teil. 3. JETZT!

Ich bin, wie man sicherlich merkt, maßlos begeistert von diesem cinematographischen Spektakel der Extra-Klasse. Das Buch wurde da wo man es umgesetzt hat, weitestgehend exzellent umgesetzt, die Hintergrundgeschichte rund um den Nekromanten aus den Anhängen/restlichen Geschichten ebenfalls.
Die Animationen, traumhaft, wenn dieser Koloss von einem Drachen sich durch die Goldberge wälzt... Rahh... MEHR.
Die Choreographie der Kämpfe, atemberaubend, technisch nichts zu widersetzen.

Zu kurz kommen darf natürlich auch nicht der Soundtrack. Howard Shore hat sich mal wieder selbst übertroffen. Zu jedem Zeitpunkt eine perfekte Untermalung des Geschehens, von brachial bis grazil, düster bis heiter, nichts misslingt dem Meister.

Wehrmutstropfen:
Die Geschichte um Tauriel, Legolas und die Orks.
Da wurde am meisten zu gedichtet. Ist hart an der Grenze. Der Film brauchte anscheinend eine Frau. Die Einsteiger einen Bezugspunkt. Die Frauen eine Lovestory (hier ne, nicht sooo Ernst gemeint, von wegen PC und so).
Aber ehrlich, eine Elbe und ein Zwerg, vor Galadriel und Gimli? Come on. Und die Orks als Grund für das auftauchen der Elben in Esgaroth. Damit Kili geheilt werden kann. Yay. Dafür hat es sich gelohnt...
Dazu kommt dann noch, dass es wenig sehr ruhige Passagen gibt, die etwas mehr Charakterentwicklungen ermöglichen würden, das Sit-In der Istari und die Auseinandersetzung zwischen Thorin und Balin oder Tauriel und Kili gehören zu den Momenten, in denen man ins Träumen, Zweifeln und Fürchten kommt, verblassen aber hinter den Action-Slapstick-Einlagen.
Dann wurde in Beorns Haus eine der lustigsten Szenen des Buches weggelassen, die Vorstellung der Zwerge, nach einander, aber vielleicht gibt es das im Special Extended Limited Special Tolkien Purists Cut. Hoffe ich.
Und da ist noch dieses Episodenhafte. Da fehlte einfach ein Übergang, man wurde von einer Situation in die nächste geschubst. Im Buch gibt es da schönere, fließende Übergänge.
Dieser ganze Plan mit der Goldstatue... Ja, ne, nicht wirklich Freunde, das klappt nicht, zumal hier CGI-mäßig recht schlampig gearbeitet wurde.

Das Ende: Im Buch wird klar, warum Smaug zur Seestadt fliegt, er kann die Zwerge einfach nicht erreichen, aber hier, ein bisschen verrückt, weshalb er die Gruppe nicht einfach abfackelt.

Fazit:
Da wo das Buch (bzw. die Bücher, wenn man den Background mit einbezieht) 1:1 umgesetzt wurde, der Hammer für jeden Tolkien-Fan. Da wo etwas verändert wurde, z.B. in Esgaroth, kann man mit leben, ist nicht so tragisch, passt es doch ins Gesamtbild.
Die Charakterentwicklung kommt etwas zu kurz, dafür gibt es ne Menge Action. Bin hin und her gerissen, wie ich das finden soll. Der Tolkien-Fanatiker sagt "nein", der Film-Freund sagt "kann man machen, muss man aber nicht", der Krieger sagt: "auf die Fresse".
Aber diese Lovestory... die gibt dem Film einen fetten Dämpfer, es ist einfach erzwungen.
Insgesamt sag ich als Chimäre aus Tolkien- und Film-Fan: 4 von 5, die Schwächen, nämlich die minimalen Längen des ersten Teils macht "Smaugs Einöde" besser, aber übertreibt es mit der Kompensation, auch fehlt ein bisschen das familiäre, das nur zwischendrin mal kurz aufblitzt.

Achja, ich empfehle HFR, da fühlt man sich wie dabei anstatt nur davor.

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