18. Juli 2013

Filme über Filme über Filme 3

Alle schlechten Dinge sind drei, darum noch direkt eine Meinung zu Now you see me, deutscher Titel: Die Unfassbare (leckt mich, dämliche Übersetzung).
ganz wichtig bei dieser Renzension: Sehen sie genau hin, denn je genauer sie hinsehen, desto weniger sehen sie.

Worum es sich geht:

Vier Zauberer, Taschenspieler, Trickbetrüger, Illusionisten, Mentalisten oder wie man sie nennen möchte (gespielt von Jesse Eisenberg, dem kleinen Francobruder, Woody Harrelson aka "The Twinky" Tallahassee aus Zombieland und Isla Fisher), werden zusammen gebracht, um eine geniale Show zu organisieren. Von wem, bleibt unklar, nur, dass die/der genauso genial sein muss, wie alle vier zusammen.
Und: Sie/er trägt einen blauen Kapuzenpulli.
Die erste Show in Vegas, ein genialer Trick, eine ausgeraubte Bank in Frankreich, doch das warum fehlt, man überlegt und überlegt  und kommt auf keine Idee, sehr gut, das gefällt mir.
Interpol ist eingeschaltet, vertreten durch die bezaubernde und zaubernde Melanie Laurent, und muss mit dem skeptischen, amerikanischem Ermittler, richtig richtig richtig gut gespielt von Mark Ruffalo (den meisten wohl erst durch Avengers bekannt geworden), zusammen arbeiten, um die vier Reiter, die in zwei weiteren Shows noch mehr Geld umverteilen, unter anderem das ihres Finanziers, gespielt von Michael Caine (über den muss ich doch jetzt nichts sagen, oder?), zu schnappen.
Parallel wird ein weiterer "Antagonist" eingeführt, ein ehemaliger Zauberer, der andere Zauberer entlarvt, dargestellt von Mister God himself, the one and only Morgan Freeman, der mal vom FBI, mal von Michael Caine zurate gezogen oder verdächtigt wird.
Meine Meinung:
Ein toller Film, mit vielen Stärken, aber auch kleineren und leider auch größeren Schwächen:
Die kleineren Schwächen sind Logikbrüche und Ungereimtheiten, wie zum Beispiel den Fakt, dass der Überwachungswagen des FBI leer und offen stehen gelassen wird, ein riesiger Spiegel im Raum niemandem auffällt.

Die Stärken:

a) Der Cast: Alle spielen ihre Rolle enorm gut, ich hätte mir aber noch ein bisschen mehr Michael Caine gewünscht, der in so einer unsympathischen Rolle sicher noch mehr hätte heraushauen können.
Besonders positiv kann ich Marc Ruffalo erwähnen, der den gesamten Film über die Wandlung seines genervt-skeptischen Charakters hin zum offeneren Menschen mit 100% spielt.
Der Rest spielt seine Paraderollen, Eisenberg als Kontrollfreak, Franco als Grinsebacke ohne viel Hirn, Harrleson als notgeiler Witzbold, Freeman als Gott, Fisher als was auch immer sie gut kann und Laurent als weltoffene Miniprinzessin.

b) Das Tempo: Man wird auf der einen Seite von einer Szene zur andern gerissen, man muss aufpassen, alles mit zu bekommen und ja nicht im Verständnis zurückzubleiben, auf der anderen Seite wird dann wieder Geschwindigkeit herausgenommen, um das passierte näher zu erklären und um Verwirrung aufkommen zu lassen, also wie ein guter Angriff im Fechten, absolut mein Ding.

c) Die Story: Sehr gute Idee, das Heist- mit dem Zauberergenre zu vermischen. Die Tricks sind bis auf den mit Spiegel gut durchdacht und im Großen und Ganzen logisch und schlüssig, die Hintergründe bleiben alle lange verborgen und bereiten Kopfzerbrechen, die Twists kündigen sich an, gehen dann aber auch mal in eine ganz andre Richtung, so muss das sein.
Eine tolle und erwähnenswerte Stelle ist die, in der Grinsekatze vermeintlich stirbt und die Show einfach zu dritt durchgezogen wird, man fragt sich, trauern die nicht, was ist los, wie kalt sind die denn, bis einem dämmert, klar das machen die nicht, weil der Kerl lebt. Nennt mich schwer von Begriff, aber im Kinositz war ich von seinem Tod überzeugt.

So, kommen wir zu den schwerwiegenden Schwächen:

a) Die Storyumsetzung: Tja, ne gute Story braucht auch eine gute Umsetzung und da haperts ein bisschen wie ich finde. Zu viel bleibt ungeklärt, mehr als ich gut finde. Ja, es ist toll, wenn man mit manchen Sachen alleine gelassen wird, aber so viel fand ich sehr unnötig. In einem Zuge damit bleiben die Charaktere zum Großteil auch sehr blass und oberflächlich, meinen vermuteten Grund siehe bitte unter c). (Man man man, ist das spannend).

b) Laurents Rolle: Ohne Spaß, die ist nur dazu da, dass Ruffalo seine Einstellung verändert und trägt sonst kaum etwas bei, da hätte man deutlich mehr aus dieser grandiosen Schauspielerin holen können.

c) Das schlimmste, wogegen der Rest der Schwächen lächerlich verblasst, ganz klein wird und sich in Luft auflöst, das Ende.
Ohne Spaß. Was sollte das? Dieser tolle Film versaut sich selber durch sein an den Haaren herbeigezogenes Ende, was meiner Meinung nach daran liegt, dass die Autoren gemerkt haben, "Oh, fuck, wir haben zwei Stunden voll und das Budget ist auch aufgebraucht, los, wir nehmen den einfachsten Weg". Ich mein, der Aufbau des Ganzen, die Hinweise im Verlauf des Films, die waren ja super eingestreut, aber das in weniger als 5 Minuten raus zu hauen? Son Dreck.
Mit ein bisschen mehr Zeit und Geld hätte man da ein fantastisches Finale, den größten Trick von allen draus machen können, z.B. mit der Interpolagentin als tatsächliches Mastermind, aber das wird verschenkt.
Zudem hätte man mit einem Zusatz an Moneten und Δt die Charaktere deutlich mehr Farbe und Tiefe verleihen können.

Punkt c) lag mir nach dem Schauen sehr schwer im Magen und ärgert mich immer noch, sodass ich dem Film bei aller Liebe am Ende nur 6,5 von 10 Punkten geben kann, wäre es ein besseres gewesen, hätten es gut 9 sein können, trotzdem Ansehempfehlung.

The Prestige konnte deutlich mehr überzeugen, hatte tiefgründigere Charaktere und dazu: Weniger Budget, aber auch ein paar weniger wichtige und überbezahlte Schauspieler.

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