10. Mai 2013

Star Wars - Into Darkness

Moment...
Nein, ich habe in der Überschrift keinen Fehler gemacht, das ist nur mein Eindruck des neuen Star Trek Films von J. J. "the lensflare" Abrams.
Nein, es liegt nicht an den Lensflares, dass ich den Film nicht so mag. Die stören mich gar nicht.
Für mich liegen die Fehler dieses Films im Detail.

Aber ich fange mal am Anfang an. (es folgt eine Rekapitulation des ersten Abrams ST-Films, wer das nicht lesen will, sollte den folgenden Abschnitt überspringen)
Der Neustart des Franchise im Jahr 2009 war für mich zu diesem Zeitpunkt DAS Kinoereignis, es war DER Film, auf den ich ewig gewartet habe, nachdem 2002 Nemesis die nächste Generation nicht gerade glamourös begraben und 2005 Enterprise die Föderation frühzeitig begründet hatten.
Dementsprechend niedrig waren meine Erwartungen an einen neuen Film, jedoch ebenfalls genauso hoch, da es wieder um die TOS Besatzung ging.
Gleichermaßen war ich begeistert und enttäuscht: Begeistert über die Enterprise, die Crew, die Geschichte vor und während der Akademiezeit, den Eisplaneten, Star Trek mit neuester Technik, enttäuscht über die maue Haupthandlung, mal im Ernst, schon wieder Romulaner/Remaner, die mit nicht gerade innovativem Hintergrund und totalem Denkfehler durch ein Schwarzes Loch in die Vergangenheit gelangen und ewig auf Rache warten, während sie doch ihre Heimat retten könnten.
Insgesamt blieb der Eindruck aber eher positiv, etwa 6,5 von 10.

Ab jetzt: Massive Spoiler- und Kritikgefahr, wer den Film unbeeinflusst sehen möchte, sollte hier einfach aufhören.

Entsprechend gemischt waren meine Gefühle nach den ersten Trailern zu "Star Trek - Into Darkness", verhießen sie einen Benedict Cumberbatch als Gegner, der die Föderation von innen in Gefahr bringt und die Crew vor eine große Herausforderung stellt, die sie mit mehr als Waffenstärke zu bewältigen hat, auf der anderen Seite eben jene befürchtete Dominanz der Verhandlungen durch Waffen.
Leider haben sich meine Befürchtungen bewahrheitet.
Macht der erste Teil noch große Hoffnung und unglaubliche Freude, wenn Pille (fantastisch dargestellt von Karl Urban, ein mehr als würdiger Nachfolger für DeForest Kelley und der zweitbeste Darsteller in diesem Film) und Kirk vor einer indigenen Volksgruppe auf einem fremden Planeten flüchten, um sie vor den Auswirkungen eines aktiven Vulkans kurz vor dem Ausbruch zu schützen, der von Spock (Zachary Quinto spielt einen nimoyesken Spock mit gelungener Eigeninterpretation, die allerdings kleinere Schwächen aufweist) mit Hilfe von Uhuhra und Sulu inaktiviert werden soll.
Hier hat man noch das "gute alte" (ja, nennt mich konservativ) Raumschiff Enterprise bzw TNG Gefühl, es geht darum, fremde Welten zu entdecken und Leben zu schützen.
Hinzu kommen die trocken-bissigen Kommentare von Scotty (grandios dargestellt von Simon Pegg, noch eine der guten Besetzungen des Films), unter Wasser wäre kein Platz für ein Raumschiff und das übliche zur Obersten Direktive von wegen Nichteinmischung und der Missachtung derselben.
Szenenwechsel, auf der Erde: Ein Elternpaar besucht seine schwer kranke, anscheinend unheilbare Tochter, in seiner Verzweiflung geht der Vater auf einen Handel ein: Heilmittel gegen sein Leben und das von vielen anderen.
Dann geht es auch schon los mit dem Abrams-Streifen, nicht mehr viel bleibt von Star Trek.
Ein Anschlag auf ein Archiv der Föderation durch besagten Vater, das sich als geheimes Sektion 31 Entwicklungsinstitut herausstellt. Dumm nur, dass die Existenz dieser Sektion niemals zugegeben würde, außer von einem Mitglied derselben gegenüber einzelnen, zum schweigen "verpflichteten" Personen und nicht einfach vor der Admiralität und ein paar lächerlichen Captains und Commandern rausposaunt würde, die dann auch direkt das nächste Anschlagziel darstellen.
Die Führung der Sternenflotte über so eine Aktion ausschalten zu wollen, guter Schachzug.
Aber dann mit Hilfe von Transwarp-Beamen auf Qo'noS (klingonische Heimatwelt) zu entkommen.... Das gibt mir zu Denken. Gab es mir schon in Teil 1.
Aber anstatt es ihm gleich zu tun, wird dann mal ein Exekutionskommando in Form der Enterprise geschickt. Mag jetzt zwar für die Handlung wichtig sein, aber dass es von niemandem, nicht einmal von Spock, hinterfragt wird, Entschuldigung, das ist nett gesagt schwach.
Dann eine fixe Verfolgungsjagd, ein bisschen Geballer, Verhandlung und danach simples Niedermetzeln der Klingonen und man ergibt sich, na klar.
Aber, wir haben mal kurz Kingonen erwähnt und gezeigt, wie böse und gewalttätig die sind.
Nebenbei ist das Schiff ja noch kaputt, aber weil der Chefingenieur wegen moralisch-technischer Bedenken den Dienst verweigert hat (danke, noch ein aufblitzen des ST-Geistes, wenn auch kurz), muss Chekov (armer Kerl ehrlich, wer dem die Synchrostimme gegeben hat....) übernehmen und das macht es nicht einfacher. Parallel wird dann noch mit Khan, denn niemand anders ist der überlegene Feind, geplaudert und auf eine Verschwörung des höchsten Sternenflottenadmirals hingewiesen.
Der kommt dann auch mal fix mit seinem neuen Superschiff mit den Dimensionen einer Enterprise D daher, die man mit minimal einem Besatzungsmitglied fliegen kann.
Und weil gemeine Plan jetzt aufgedeckt wurde, muss man die Enterprise ja fix vernichten, aber dann gibts ja noch hier diesen und jenen Ausweg, weil Scotty der clevere Hund sich eingeschlichen hat und die Energieversorgung ein bisschen manipuliert.
Dann noch ein fixer Raumsprung zum Megaschiff, ein paar Trümmerteilen ausweichen, die Besatzung platt machen und übernehmen, ja nichts einfacher als das und dann, autsch, Khan ist ja doch nicht so nett und übernimmt das neue Gerät für sich. Ich hab auch keine Lust mehr hier weiter drüber zu reden, das wird nicht besser.

Ich fasse aber mal kurz zusammen:
Mehr Geballer, mehr Action, mehr auf die Fresse, hier und da mal kurz Anspielungen auf die alten Filme um die Trekkies zu beruhigen und gut ist. Achja, und Lensflares. Aber ernsthaft:
Was positiv ist:
- Die Idee, einen geistig, körperlich und technisch überlegenen Gegner zu haben und einen Twist einzubauen, dass ein eigentlicher Verbündeter gleichermaßen ein Feind ist und den andern erst zu seinen Handlungen gebracht hat.
- Das Spiel zwischen Kirk und Spock, Logik vs. Bauchgefühl
- Pille und Scotty, die Miesepeter der Galaxis (mal gucken wer das Zitat versteht)
- Der Anfang, sowohl die fremder Planet Geschichte, als auch der Handel Heilmittel gegen Anschlag
- starker Gegner, den man mit mehr als Waffen schlagen muss
Was negativ ist:
- die tausend Kleinigkeiten, die erwähnt werden und stattfinden, um Trekkies glücklich zu machen:
die Schiffsmodelle des Admirals, Sektion 31, Khan, Klingonen, Sulu als Captain, die vorzeichenvertauschte Todes/Rettungsszenen von "Zorn des Khan", das neue Superschiff, Botschafter Spock usw usw usw, es nervt, dass das reingebracht wird, um es erwähnt zu haben
- Carol Marcus im Speziellen, die ist nur da, um mal kurz im Bikini rumzuhüpfen
- Geballer über Geballer, eine Gefecht nach dem anderen
- Die Wirkung, man hangele sich nur von einer Szene in die andere mit mehr schlecht als rechten Übergängen
- Die Uniformen mit Mütze, meine Fresse, sieht das scheiße aus

Fazit:
Mit "Star Trek - Into Darkness" liefert J. J. Abrams zwar einen soliden Action-Film in SciFi-Kulisse, aber mit Star Trek hat das wenig zu tun. Zieht man mal die Bezeichnungen aus Star Trek und das Raumschiff ab, könnte das auch eine x-beliebige Crew in einem x-beliebigen Universum sein, die sich durch die Weltgeschichte kämpft. Lediglich der Anfang, das Ende und kurze Momente erinnern an das richtige Star Trek, das ganze Kampfgetümmel sieht mehr aus nach Star Wars in anderem Universum.
Ich gebe 5 von 10 Punkten aus Perspektive des Trekkies, mehr geht da trotz aller Liebe zum Namen, der Crew und dem Gegner nicht.

Möge die Macht lang und in Frieden... Ihr wisst was ich meine.

PS:
Wer mir jetzt vorwirft, ich wäre ein verbohrter, konservativer Alt-Trekkie, der am liebsten noch Shatner und Nimoy auf der Leinwand sehen möchte, der liegt falsch. Ich möchte einfach nur Star Trek wieder haben, mit der Kombination aus technisch-wissenschaftlicher und gesellschaftlich-philosophischen Vision, die sich durch jede Serie und (fast) jeden Kinofilm gezogen hat:
In TOS ging es um vielerlei Probleme, die zwar oft auch gewaltsam gelöst wurden, aber immer reflektiert und bewertet wurden, zumal war hier das revolutionäre die Multikulturalität, man denke nur an den ersten Filmkuss zwischen einem weißen und einer schwarzen.
TNG brachte viele Entdeckungs- und Forschungseinsätze, neue Welten, neue Völker und deren Probleme, aber auch die Lösung von verschiedenen Konflikten auf die ein oder andere Art, immer mit dem moralischen Zeigefinger und viel Hintergrund über Wissenschaft, Technik und Kultur.
DS9 zeigte was eine Besatzung ist, bedeutet und nach sich zieht, erlaubte viele Einblicke in den Verlauf, die Bedeutung und die Folgen eines Krieges zwischen großen Mächten.
VOY war für mich DIE Serie, schauspielerisch zwar nicht so gut besetzt, dafür aber das interessanteste Setting, ein Schiff, weit weg von zu Hause, kaum Hoffnung auf Wiederkehr, viel Diplomatie, Forschung, Improvisation, Verständigung, Entschärfung, aber genauso kämpferisch wie moralisch-philosophisch.
ENT präsentierte dann die Anfänge der Sternenflotte als ernst zunehmende Interstellarmacht, die Startschwierigkeiten der Menschen in dieser Rolle, die Auseinandersetzung mit den weiter entwickelten Mächten, einem ersten interstellaren Krieg und schließlich der Weg zur Gründung der Föderation zwischen Vulcan, Andoria und Terra, zwar nicht immer storytechnisch so ausgefeilt, aber trotzdem blieb immer der Star TrekFunke sichtbar.
Zu den Kinofilmen: Ja, die waren nicht alle berauschend, aber trotzdem gibt es deutlich Beispiele, wir man Star Trek in einen zweistündigen Film packen kann, ohne dass Botschaft und Unterhaltung zu kurz kommen:
Da haben wir "Zorn des Khan", die Haupthandlung mag nicht so überzeugend sein, klar, alter Feind will Rache, aber der Weg der Rache ist hier das wichtige: Ein Werkzeug, dass zur Erschaffung bzw. Verbesserung von Leben entwickelt wurde, wird als Waffe missbraucht. Natürlich liegt der Fokus auf dem Kampf, aber die Nebenhandlung hat mehr als genug Raum, um die Vision von friedlicher Koexistenz und der Verbesserung des Lebens für Alle zu vermitteln.
"Das unentdeckte Land" kann man ebenfalls in diese Reihe stellen, zeigt es doch das Niederreißen von alten Denkweisen und Schranken zu Gunsten von Frieden, das jedoch durch ewig Gestrige (Kirk gehört hier auch zu) zu verhindern versucht wird.
"Generationen" geht in eine gänzliche andere Richtung, zeigt es doch die Auseinandersetzung mit der Angst vor der Zukunft, zwar mit kleineren Logikbrüchen, aber Botschaft und Action sind hier in einem guten Gleichgewicht, ob man wirklich die TOS-Crew noch mal aus dem Altenheim holen musste, sei jetzt mal dahin gestellt.
"Der erste Kontakt" stellt für mich mit "Zorn des Khan" den besten Star Trek Kinofilm bisher, zeigt er doch einen aktuellen Krieg, die Folgen eines vergangenen und dass die Menschen sich nicht entmutigen lassen, Visionen nach zu hängen und auf eine bessere Zukunft hin zu arbeiten. Gleichzeitig wird der Konflikt zwischen Gesellschaftsmodellen und die Lösungsversuche thematisiert. Zweifelsohne ein sehr actionlastiger Film, aber die Botschaft bleibt trotzdem erhalten.
So, jetzt ist wirklich Schluss, bevor das hier noch ausartet.

PPS: Was ich mir für die Zukunft erhoffen würde, wäre ein neues Schiff/neue Schiffe mit einer (teilweise) neuen Crew, das/die in völlig unbekanntem Gebiet unterwegs sind und das tun, was am Ende von Into Darkness gesagt wird: "Fremde Welten zu entdecken..." usw.

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